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Maluch...

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"Maluch" das ist der kleine...

An der Wiege des Polski Fiat 126p in der Wojewodschaft Katowice

Die Wojewodschaft Katowice wird das “industrielle Herz Polens” genannt. Fast elf Prozent der polnischen Einwohner, nämlich 3.700.000, wohnen in diesem Bezirk, und von ihnen leben wiederum 76,6 % in 76 Städten. Hüttenwerke, Kohlengruben, Textilindustrie, metallverarbeitende Industrie und die Landwirtschaft prägen das Gesicht dieses südpolnischen Gebietes. Nun entsteht in Polens kleinster, aber ökonomisch bedeutendster Wojewodschaft ein neuer Industriezweig. Es ist die Automobilindustrie, die sich mit den zentralen FSM- Werken in Bielsko Biala und Tychy ansiedelt.

 

Der Beschluss der Regierung

FSM- das heißt Fabrika Samochodow Malolitrazowych, frei übersetzt: Werk für Fahrzeuge kleinen Hubraums. Im Mai hatte die Redaktion Gelegenheit, dieses Werk zu besuchen. FSM- Direktor Edmund Czerbach empfängt uns. In einem Gespräch skizziert er die wichtigsten Etappen auf dem Weg zur Serienfertigung des Polski Fiat 126 p: 1970 beschloss die Staatsführung, für die polnischen Werktätigen ein wirtschaftliches und populäres Kleinauto bauen zu lassen. Ein Jahr später wurde mit dem Fiat- Werk ein Lizenzvertrag über die Produktion des 126 p in Warschau unterzeichnet, und bereits 1973 liefen die ersten 126 p in Bielsko Biala vom Band. Der jüngste Regierungsbeschluss sieht vor, das statt der ursprünglich vorgesehenen 150000 im Jahre 1978 sogar 200000 Fahrzeuge produziert werden.

Eine neue Zulieferindustrie

Die Produktion des Fiat 126 p in solch hohen Stückzahlen ist auf eine einwandfrei funktionierende Zulieferindustrie angewiesen. Der Entschluss, den neuen Industriezweig mitten in einem Industriegebiet anzusiedeln, berücksichtigte das. Elf große Werke sind die Hauptlieferanten für das polnische Kleinauto, fünf von ihnen werden neu erbaut und produzieren zu einem Teil bereits. Wir hatten also ein umfangreiches Besuchsprogramm vor uns…

Die Gießerei in Skoczow

In Skoczow, dem ersten Tagesziel, begrüßt uns Direktor Franz Kasper in der riesigen Halle der künftigen Gießerei. “Hier war vor eineinhalb Jahren Wald”, berichtet er, “doch schon im Dezember dieses Jahres werden unsere modernen Elektroöfen in Betrieb sein. Wir stellen uns auf Großserien ein, das ist angesichts des großen Wachstums der Automobilproduktion gar nicht anders möglich!”

Große Schmiede für den Kleinen

Wenige Kilometer entfernt, in Ustron, ist eine neue moderne Schmiede entstanden, die ebenfalls fast ausschließlich für die Kraftfahrzeugindustrie arbeitet. Der erste Bauabschnitt ist in nur zwei Jahren fertig gestellt worden. In einer großen Halle werden bereits heute Teile für Kraftfahrzeuge bearbeitet. Auch für den 126 p - pro Fahrzeug übrigens allein dreißig Schmiedeteile. Zwischen den Hallen ist Platz gelassen, um später neue Bauten für eine Erweiterung der Produktion errichten zu können. Die Anlagen für die Energieversorgung und den innerbetrieblichen Transport im ersten Bauabschnitt berücksichtigen diese Perspektive bereits. Die Werkzeugmacherei, unentbehrliche Vorraussetzung für den Schmiedebetrieb eines Automobilwerkes, befindet sich “im Hause” unter dem gleichen Hallendach wie die Schmiede. Wie bereits jetzt - mitten im Aufbau der Werke - Hand in Hand gearbeitet wird, davon überzeugte uns einen Tag später auch der Rundgang in Tychy.

1975 - EndMontage in Tychy

Die Stadt, erst zwanzig Jahre alt, zählt in diesem Jahr 100000 Einwohner. In nicht allzu ferner Zeit werden es 250000 sein. Am Stadtrand entsteht das größte Werk für das polnische Automobilbauprogramm. Direktor Ziemowit Stoklosa erläutert die Perspektive: “Wir werden nach Fertigstellung des Werkes die Endmontage des 126 p von Bielsko Biala übernehmen und darüber hinaus 33 Prozent der Teile für dieses Fahrzeug bei uns herstellen.” In Tychy entstehen außerdem die Presserei für alle Blechformteile, die Polsterei und Lackiererei. Der 126 p wird übrigens vorerst in sechs Farben hergestellt. Später, wenn “alles läuft”, sollen vierundzwanzig Farben zur Auswahl stehen. Einige Daten lassen die Großzügigkeit der Bauprogramme, die durch moderne und rationelle Baumethoden unter weitgehender Verwendung vorgefertigter Bauelemente in einem enormen Tempo abrollen, erkennen: Im Februar 1972 begannen die Erd- und Aufschließungsarbeiten, im September 1972 wurden die Hallenfundamente gegossen, im März 1973 standen die ersten Stützpfeiler, im Dezember 1973 wurde die Halle durch Dächer und Wände geschlossen. Bis Ende dieses Jahres werden in diesem Hallenkomplex die ersten Pressen die Arbeit aufnehmen. 1977 wird Tychy die gesamte Montage des 126 p bei sich vereinigt haben.

Für Inland und Export

In Sosnowiec ist seit zwei Jahren das Werk 7 des Kombinats FSM in Betrieb, das neben Schlössern und Beschlägen vor allem Teile der Beleuchtungseinrichtung für den Polski Fiat und Shiguli liefert. Die Hälfte aller in Togliatti produzierten Shiguli wird beispielsweise mit solchen Teilen aus Sosnowiec ausgestattet. Das Zubehör für die polnischen Fiat- Lizenztypen hat den größten Anteil an der Produktion. Direktor Andrzej Micherdzinski, der uns durch den Betrieb führt, verweist darauf, dass trotz moderner Technologie der Bedarf in naher Zukunft nicht mehr gedeckt werden könne. Darum ist auch dieses Werk auf Zuwachs gebaut. 1975 wird die Erweiterung abgeschlossen sein. 98 % der Werktätigen dieses Betriebes nehmen übrigens am Produktionswettbewerb zu Ehren des 30. Gründungstages der Volksrepublik Polen teil.

Im Stammwerk Bielsko Biala

Zum Höhepunkt unserer Rundreise wird die Besichtigung des gegenwärtigen Stammwerkes in Bielsko Biala. In einem Hallenkomplex arbeiten bereits dutzende Maschinen, während am anderen Hallenende immer noch neue vormontiert und aufgestellt werden. Andere, den Probelauf bereits absolviert, sind mit blauen Planen abgedeckt und stehen “auf Abruf” bereit, um mit in die sich rasch entwickelnde Produktion eingespannt zu werden. Allein für den Motorenbau sind zwei Fertigungslinien vorgesehen. Vorläufige Endstation der Motoren ist einer der 28 Funktionsprüfstände. Noch sind sie nicht ausgelastet, so dass Zeit bleibt, an ihnen neue Facharbeiter zu schulen und einzuweisen. Sie haben den Lauf jedes einzelnen Motors 15 Minuten lang zu kontrollieren und u. a. die Zündung elektronisch einzustellen. Noch nicht komplett ist die Karosseriemontage. Die Einzelteile werden in einem “Käfig” mechanisch zusammen gefügt. Erst wenn Bodengruppe, Seitenteile und Dach paßgerecht aneinander gefügt sind, gibt ein Automat das Signal an die Schweißer, die die Karosserie punkten. Jeder Fehler in der Passform verhindert automatisch den Schweißvorgang. Aber die Einrichtung erfordert noch manuelle Arbeit von vier Schweißern. Später, wenn der Karosseriebau in Tychy läuft, wird ein Automat die Karosserien selbsttätig mit 450 Schweißpunkten heften. Vom ersten Fertigungsband in Bielsko Biala rollen in diesem Jahr 10000 Kleinwagen. Zwei weitere Bänder werden montiert. Noch entsteht der 126 p aus Import-Teilen. Mit der Inbetriebnahme oder Kapazitätserweiterung der zuliefernden FSM-Werke wird das Fahrzeug aber nach und nach aus Teilen einheimischer Produktion montiert.

Am Band auch der 127 p

Das neue Werk in Tychy wird 1975 die Montage der ersten 126 p übernehmen. Doch auch in Bielsko Biala werden die Werkanlagen erwitert und zusätzliche Motagebänder eingerichtet. Die Vermutung liegt nahe, dass dieses Werk dann für die Fertigung eines anderen PKW-Typs genutzt wird. Das wäre technisch durchaus möglich, denn am Band des 126 p wird in kleinen Stückzahlen auch der Fiat-Typ 127 montiert. Er war uns bereits in einer Ausstellung anlässlich der “Tage der Technik” in Bielsko Biala vor dem Hotel “Prezident” und auch im polnischen Straßenbild begegnet.

Transporte per Strasse

Mehrere Tage waren wir mit dem Pkw unterwegs, um die einzelnen Betriebsteile zu besuchen. Wie wird künftig das Transportproblem gelöst? Alle Transporte zwischen den Werken werden vorwiegend in Containern auf Straßen vorgenommen, die zur Zeit zwischen den bedeutendsten Zulieferbetrieben erweitert oder neu gebaut werden. Es ist ein System ausgeklügelt worden, das Leertransporte bei den Rückfahrten der Lkw ausschließt. Keine Strecke ist länger als 20 Kilometer.

Erster Export nach Ungarn

Trotz der neuen industriellen Kapazitäten legt Polen Wert auf Kooperationspartner im sozialistischen Wirtschaftsgebiet. Schon jetzt ist die ungarische Industrie Zulieferer für das Kleinwagen-Programm. Ungarn erhält auch als erstes Land als Gegenleistung den 126 p. Die Kooperation wird sich mit dem schnellen Anstieg der Produktion selbstverständlich weiter erhöhen.

Neue Maßstäbe für industrielle Entwicklung

Noch befindet sich Polens Automobilindustrie im Aufbau. Das Tempo, mit dem Zulieferbetriebe und Motagehallen errichtet werden, und die Dimensionen, in denen diese Werke entstehen, zeugen von dem industriellen Aufschwung und dem Selbstbewußtsein, mit dem Polen nach drei Jahrzehnten steter wirtschaftlicher Aufwärtsentwicklung große Projekte verwirklicht. Der Bau von Personenkraftwagen hat in der 30jährigen Geschichte der VR Polen Tradition. Wir erinnern daran, dass in Warschau der “Warszawa” gebaut wird und - ebenfalls auf Lizenzverträgen basierend - der Polski Fiat 125 p in steigenden Stückzahlen von den Bändern läuft. In Polen selbst ist seit vielen Jahren der “Syrena” weit verbreitet. Anfang 1971 wurde die Syrena- Produktion von Warschau nach Bielsko Biala verlegt. Von diesem Fahrzeug der Mittelklasse werden in diesem Jahr 40000 Stück produziert. Dieser Typ wird in unmittelbarer Nachbarschaft der modernen Produktionsanlagen für den neuen Kleinwagen 126 p noch so lange gebaut, bis das Syrena- Programm zugunsten des 126 p ausläuft. Der neue Industriezweig geht in seiner Bedeutung weit über die Grenzen des Landes hinaus. Polen wird nach erreichen der vollen Kapazität seiner Automobilproduktion neben der Sowjetunion einer der größten Pkw-Produzenten im sozialistischen Wirtschaftsgebiet sein. Mit dem Beschluss, eine moderne Industrie für den Bau eines populären Kleinwagens für die polnische Bevölkerung und für den Export zu errichten, hat die polnische Regierung neue Maßstäbe in dem Bemühen gesetzt, die Wünsche und den Bedarf der Bevölkerung zu erfüllen. Die VR Polen beweißt im 30. Jahr ihres Bestehens, dass sie konzentriert an die Verwirklichung der Ziele geht, die der VI. Parteitag der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei gewiesen hat. Der rasante Aufschwung auch dieses Industriezweiges steht im engen Zusammenhang mit dem Ansteigen des Lebensstandards der Bevölkerung.

Mit “Maluch” in den Beskiden

Wir nutzten natürlich die Gelegenheit, dem “Kleinen” mal auf den Zahn zu fühlen und sein im Viertakt klopfendes Herz schlagen zu lassen. Mit zwei 126 p fuhren wir in die Beskiden. Die erste Bekanntschaft mit dem 126 p machten wir zunächst als Copiloten. Unsere Begleiter zwei Werksfahrer, schienen uns in den engen Strassen von Bielsko Biala demonstrieren zu wollen, dass auch brandneue Wagen eine raue Behandlung aushalten. Beim Beschleunigen wurde in den unteren Gängen für höchste Drehzahl gesorgt, die wir einem Viertaktmotor nicht angeboten hätten. Nachdem wir uns selbst ans Lenkrad gesetzt hatten, kamen wir aber schnell dahinter, dass dem “Kleinen” bei mittleren Drehzahlen selbst in den unteren Gängen nur ein bescheidenes Temperament abzuringen war. Das zeigte sich in der Ebene, erst recht natürlich später in den Bergen. Also gaben wir Gas! Im Zweiten Gang kamen wir bis über 50 km/h, im dritten bis etwa 80. Es gelang uns aber an Steigungen, die der Trabant beispielsweise noch im dritten Gang genommen hätte, nur selten, vom weit ausgefahrenen zweiten Gang in den dritten umzuschalten. Die Zugleistung reichte einfach nicht aus. Hier zeigte sich der Unterschied zwischen dem maximalen Drehmoment des 126 p (4kpm bei 3400 U/min) und dem des Trabant (5,5 kpm bei 2500 bis 3000 U/min) am deutlichsten. Um flott voranzukommen, muss oft zum Schaltknüppel gegriffen werden. Das vom 2. Bis 4. Gang synchronisierte Getriebe schaltet sich leicht. Der unsynchronisierte erste Gang dient nur zum Anfahren, denn der Motor ist beispielsweise elastisch genug, um Schritttempo im 2. Gang hinzunehmen.

Brummen im Heck

In der Ebene kam die Tachometernadel trotz Vollgas im vierten Gang nur knapp über die 90 km/h-Marke. Bei Kilometerstand 50 bzw. 150 unserer beiden Wagen war verständlicherweise die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 105 km/h kaum zu erwarten. Das Brummen des Viertaktmotors und die Gebläsegeräusche empfanden wir im Wagen nicht als laut störend, solange nicht mit höchsten Drehzahlen gefahren wurde. Nur beim scharfen Beschleunigen drangen die Motorgeräusche stärker in den kleinen Fahrgastraum.

Wie groß ist der “Kleine”?

An die Sitzposition im 126 p muss man sich erst gewöhnen. Alles erscheint winzig. Um unsere Körperlänge von 1,80 m hinter dem Lenkrad unterzubringen, mußten wir den Fahrersitz ganz nach hinten schieben (Verstellbereich rund 120 mm). Für den “Unterbau” standen dann - gemessen von der Kante Sitzfläche/Lehne bis zu den Pedalen - rund 1000 mm zur Verfügung. Dass die kurze Sitzfläche dem Oberschenkel keine vollkommene Auflage bietet, bekommt man sicher auf längeren Touren zu spüren. Hinten leiden Erwachsene unter Platzmangel im Beinbereich. Eine Person kann sich noch schräg setzen, aber zwei Erwachsene Fondpassagiere sitzen ausgesprochen eng. Ihre Knie “klemmen” gewissermaßen hinter den Lehnen der Vordersitze. Die Pedalbedienung von Kupplung und Bremse erfordert zwar nur geringen Kraftaufwand, die Pedale selbst liegen aber sehr dicht zusammen. Mit unseren breiten Schuhen kamen wir dadurch in Schwierigkeiten. Auch das Gaspedal liegt sehr dicht am Mitteltunnel. Dagegen hat man den Schalthebel gut in der Hand. Von der Strassenlage des mit Radialreifen (135-12) ausgerüsteten 126 p waren wir angenehm überrascht. Enge Kurven konnten wir sehr zügig durchfahren, ohne dass der Wagen wegsetzte. Mit der direkten Lenkung ließ sich durch kurzes Gegenlenken auch das gelegentliche leichte Ausbrechen des Hecks abfangen, wenn wir in der Kurve doch einmal zuviel Gas stehen gelassen hatten. Der 126 p reagiert auf scharfe Lenkeinschläge bei hohem Tempo leicht übersteuernd, wobei diese Tendenz allerdings nur im Moment des Ausfederns der Hinterachse nach Fahrbahnunebenheiten (Bodenwellen) stärker hervortritt. Bei einwandfreier Fahrbahn schienen die Reifen förmlich auf dem Asphalt oder Pflaster zu kleben.

Heizungstest in Finnland

Zur Heizung können wir wenig sagen. Im Sommer heizen bekanntlich alle Wagen gut. Ein Versuchsingenieur versicherte uns jedoch, dass die Heizung des 126 p dem in unseren Breiten üblichen Winter durchaus gewachsen sei. Bei Außentemperaturen von minus 23°C (in Finnland) habe man im 126 p bei einer Fahrgeschwindigkeit von 65 bis 75 km/h in Armaturenbrettnähe plus 24°C und - als kälteste Stelle - im hinteren Fußraum plus 18°C gemessen. Der 126 p ist in erster Linie als wirtschaftlicher Kleinwagen konzipiert, der seine Trümpfe nicht auf der Langstrecke, sondern im Stadtverkehr ausspielt. Ein wendigerer Wagen ist uns jedenfalls noch nicht unter die Finger gekommen. Er läßt sich spielend leicht lenken, gewissermaßen “auf der Stelle” wenden und in Parklücken einfädeln, die andere Pkw-Fahrer überhaupt nicht als solche ansehen würden.

Horst Straßburg/ Wolfram Riedel

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